Wissen
Glossar
Zentrale Begriffe der Traumatherapie mit Kindern und Jugendlichen — kurz und verständlich erklärt.
- Bindungsorientierte Traumatherapie(IBT)
- Die bindungsorientierte Traumatherapie stellt die Bindungsbeziehung ins Zentrum der Behandlung. Gerade bei Säuglingen, Klein- und Vorschulkindern werden Bezugspersonen aktiv einbezogen, um Sicherheit, Regulation und ein tragfähiges Bindungssystem wiederherzustellen.
- DeGPT(DeGPT)
- Die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft für Psychotraumatologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie definiert Curricula und Qualitätsstandards für die Traumatherapie-Weiterbildung und zertifiziert anerkannte Fortbildungsangebote.
- EMDR(EMDR)
- Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) ist ein wissenschaftlich anerkanntes, traumafokussiertes Psychotherapieverfahren. Belastende Erinnerungen werden mithilfe bilateraler Stimulation (z. B. geführter Augenbewegungen) verarbeitet. Entwickelt von Francine Shapiro, wird EMDR bei posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt — mit altersangepassten Protokollen auch bei Kindern und Jugendlichen.
- EMDR für Kinder und Jugendliche(EMDR-KJ)
- EMDR-KJ ist die altersangepasste Anwendung von EMDR bei Kindern und Jugendlichen. Protokolle, Ressourcenarbeit und die Einbindung von Bezugspersonen werden an Entwicklungsstand und Alter angepasst. Die Zusatzqualifikation wird über die jeweilige nationale EMDR-Fachgesellschaft zertifiziert (in Deutschland EMDRIA).
- EMDRIA(EMDRIA)
- EMDRIA (EMDRIA Deutschland) ist der Fachverband, der Ausbildung und Zertifizierung im EMDR-Verfahren regelt und Qualitätsstandards sichert. Für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vergibt EMDRIA eine eigene Zusatzzertifizierung.
- Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy(IRRT)
- IRRT ist ein imaginatives, traumafokussiertes Verfahren. Belastende innere Bilder werden gezielt verändert ('rescripting'), um Traumafolgen zu verarbeiten und Selbstwirksamkeit zu stärken. IRRT wird ergänzend zu anderen Traumaverfahren eingesetzt.
- Komplextrauma
- Ein Komplextrauma entsteht durch wiederholte, langanhaltende Traumatisierungen, häufig in Beziehungen und in der Kindheit (etwa Vernachlässigung oder Misshandlung). Es geht über die klassische PTBS hinaus und betrifft Emotionsregulation, Selbstbild und Beziehungsgestaltung besonders stark.
- Posttraumatische Belastungsstörung(PTBS)
- Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Traumafolgestörung nach belastenden Ereignissen. Typische Merkmale sind Wiedererleben (Intrusionen), Vermeidung, Übererregung und negative Veränderungen von Denken und Stimmung. Im Kindes- und Jugendalter zeigt sie sich altersabhängig unterschiedlich.
- Psychotraumatologie
- Die Psychotraumatologie ist die Wissenschaft von psychischen Traumata und ihren Folgen. Sie befasst sich mit Entstehung, Diagnostik und Behandlung von Traumafolgestörungen — im Kindes- und Jugendalter unter besonderer Berücksichtigung von Entwicklung und Bindung.
- Spezielle Psychotraumatherapie für Kinder und Jugendliche(SPT-KJ)
- SPT-KJ ist ein von der DeGPT definiertes Weiterbildungs-Curriculum für die Behandlung von Traumafolgestörungen im Kindes- und Jugendalter. Es bündelt Grundlagen der Psychotraumatologie, Stabilisierung, Traumakonfrontation und evidenzbasierte Verfahren zu einem anerkannten Zertifikat.
- Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie(Tf-KVT)
- Die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (Tf-KVT, engl. TF-CBT) ist ein evidenzbasiertes, manualisiertes Verfahren zur Behandlung von Traumafolgestörungen bei Kindern und Jugendlichen. Sie verbindet kognitiv-verhaltenstherapeutische Elemente mit gradueller Traumakonfrontation und bezieht Bezugspersonen aktiv ein.
- Traumapädagogik
- Traumapädagogik ist ein pädagogischer Ansatz für die Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen in Jugendhilfe, Schule und Betreuung. Sie schafft 'sichere Orte' und ist von der psychotherapeutischen Traumabehandlung abzugrenzen; die Zertifizierung erfolgt über den Fachverband Traumapädagogik (FVTP).